Lateinamerika

jW-Leserreise in Venezuela: Seit zwei Monaten tritt die Belegschaft von »Snacks America Latina« für eine Gewerkschaftsvertretung ein

Snacks und Klassenkampf

Die Straße vor dem Betrieb ist mit Baumstämmen, Ästen, Eisenrohren und Autoreifen versperrt. Seit über zwei Monaten halten die Beschäftigten von »Snacks America Latina« am Rande der Millionenstadt Barquisimeto in Zentralvenezuela ihren Betrieb nun schon besetzt. Vor den Werkstoren stehen einige Arbeiter Wache, andere liegen in den Lieferwagen des Unternehmens auf Matratzen und schlafen. Die Nacht war kurz. Schon um vier Uhr morgens tauchte eine Richterin auf. Zusammen mit 60 Polizisten versuchte sie, dem Zweigstellendirektor gewaltsam Zugang zum Betriebsgelände zu verschaffen.

Prozess gegen Attentäter auf Staatsanwalt Anderson beginnt

Venezuela: Bombenleger vor Gericht

Am Dienstag, den 20. September beginnt in Caracas der Prozess gegen drei Venezolaner, die beschuldigt werden im vergangenen Jahr den Staatsanwalt Danilo Anderson mittels eines Sprengstoffanschlags ermordet zu haben. Am Abend des 18.11.2004 um 21:47 Uhr zerriss eine Bombe in Caracas das Auto des Staatsanwaltes. Die Sprengladung war so stark, dass es Stunden dauerte, bevor seine Leiche identifiziert werden konnte. An einem politischen Hintergrund des Anschlags bestand vom ersten Moment an kein Zweifel.

oder: >>Was wir von Venezuela lernen können.<<

Es reicht!

[ ] Protokoll: Dario Azzellini [1], Politikwissenschaftler [2]

Am Sonntag geht von Venezuela aus ein neues lateinamerikanisches Fernsehprogramm auf Sendung: teleSUR macht mit alternativen Inhalten US-Gigantem Konkurrenz

»Al Bolívar« gegen CNN

»Unser Norden ist der Süden«, so lautet die Losung des von Venezuela lancierten Satellitenfernsehens teleSUR, das am Sonntag seinen Betrieb aufnimmt. Das Wortspiel hat eine doppelte Bedeutung: »Norden« bezeichnet im Spanischen nicht nur die Himmelsrichtung, sondern steht synonym auch für »Orientierung« oder »Ziel«. Bei solcher Symbolik überließ man auch das Datum des Sendeauftakts nicht dem Zufall. Am 24. Juli wird zugleich der 222. Geburtstag von Simón Bolívar gefeiert, der den Subkontinent von der spanischen Kolonialmacht befreien wollte.

Am Sonntag startet von Venezuela aus alternatives lateinamerikanisches TV-Projekt

US-Störsignale gegen Sender teleSUR

Pünktlich zum 222. Geburtstag des lateinamerikanischen Befreiungskämpfers Simón Bolívar geht am Sonntag von Venezuela aus der Fernsehsender teleSUR auf Sendung. Die Betreiberländer – neben Venezuela Argentinien, Kuba und Uruguay – sprechen vom »ersten gegenhegemonialen TV-Kommunikationsprojekt in Südamerika«. Das Alternativprojekt sendet rund um die Uhr und will dem US-amerikanischen Informationsgiganten CNN die Zuschauer streitig machen. TeleSUR setzt auf »Informationen von unten«, auf Basisaktivitäten, und will einen Beitrag zur medialen Integration Lateinamerikas leisten.

Das Projekt »teleSUR« wird oft mit CNN oder Al Dschasira verglichen. Doch hat der Sender ein ganz eigenes Konzept. Ein Gespräch mit Programmdirektor Aram Ruben Aharonian

»Mit unseren eigenen Augen sehen«

Aram Ruben Aharonian wurde 1946 in Montevideo (Uruguay) geboren. Seit 1965 arbeitet er als Journalist. Seit Anfang 2004 gibt er die linke Wirtschaftswochenzeitung Quantum heraus. Nun ist er als Vertreter des venezolanischen Kommunikationsministers Andrés Izarra in die teleSUR-Führung berufen worden. Er steht dem Direktorium vor.

Interview: Dario Azzellini

F: Worin unterscheidet sich teleSUR von CNN oder Al Dschasira, mit denen es häufig verglichen wurde?

Mediale Gegenmacht

Der venezolanische, aber "multistaatliche" Satellitensender teleSUR, von Kritikern mit al-Dschasira verglichen, soll Lateinamerika eine eigene, kritische Stimme geben

Konterkarriert ein ausgeweiterter Tagebau in Venezuela die Leitlinie einer »nachhaltigen Entwicklung der Regierung Chávez?

Konflikte um geplanten Kohlabbau

Seit der Regierungsübernahme durch Hugo Chávez im Jahre 1998 findet in Venezuela eine tiefgreifende soziale Transformation statt, die »Bolivarianischer Prozeß« genannt wird. Diese neue Politik will erklärtermaßen nicht nur die Verteilung des Reichtums im Land verändern, sondern auch die Produktionsstruktur und die Besitzverhältnisse verändern und einen anderen Entwicklungsweg einschlagen. Der geradlinige Fortschrittsbegriff und die daraus resultierenden Entwicklungskonzepte wurden in Venezuela zu Gunsten einer »endogenen« und »nachhaltigen« Entwicklung aufgegeben.

In wenigen Jahren sind in Venezuela hunderte von Basismedien entstanden

Schau kein Fernsehen, mach’ es!

Während die großen kommerziellen Medien in Venezuela fast gänzlich in den Händen oppositioneller Unternehmer sind und sich rund um die Uhr der Propaganda gegen die Regierung, die bolivarianische Bewegung und ihre Politik widmen, ist in den vergangenen Jahren ein dichtes Netz von Basismedien entstanden. Hunderte haben sich in ANMCLA zusammengeschlossen, der landesweiten Organisation der Alternativ- und Basismedien.

Die Stimme der Basis in der Bolivarischen Revolution

Venezuela von unten

Dario Azzellini ist einer der beiden Regisseure des neuen Dokumentarfilms „Venezuela von unten“. Jorge Martin hat ihn für Hands Off Venezuela zum Film und seinen Eindrücken der Bolivarischen Revolution interviewt.

Jorge Martin (JM): Wie bist du auf die Idee gekommen, diesen Film zu drehen, und welche Verbindung besitzt du zur Bolivarischen Revolution?