América Latina

Hunderttausende Mexikaner warten an der Grenze auf eine Möglichkeit, illegal in die USA einzureisen. Aber die „Linie“ wird militärische abgeschottet

Die Linie

Eine über 3000 km lange Grenze trennt Mexiko von den USA. Jedes Jahr versuchen Hundertausende Menschen aus Mexiko und Zentralamerika die immer besser gesicherte Barriere illegal zu überqueren, um sich in den USA Arbeit zu suchen. Der US-Immigration and Naturalization Service (INS) und die Grenzpolizei verstärken die Überwachung der Grenze. So haben sich seit 1994 die eingesetzten Polizeikräfte auf der US-Seite verdoppelt und an einigen Stellen der Grenze werden neue Mauern gebaut.

Hunderttausende Mexikaner warten an der Grenze auf eine Möglichkeit, illegal in die USA einzureisen. Aber die »Linie« wird militärisch abgeschottet

Mexiko - USA - Die Linie

In Tijuana will eigentlich keiner bleiben. Trotzdem wird die mexikanische Grenzstadt immer größer. Die Busse aus dem Süden bringen jeden Tag Hunderte, deren Reisegepäck in eine Tüte oder einen kleinen Koffer paßt. Menschen aus Guatemala, El Salvador, Nikaragua, die meisten aber aus Mexikos Süden. Auch aus dem Norden, aus den USA, treffen jeden Tag Tausende ein, unfreiwillig. Ihr Gepäck ist genauso ärmlich. Etwa 1,5 Millionen Mexikaner wurden von den USA-Behörden letztes Jahr offiziell des Landes verwiesen.

Linke Perspektiven: «Ich weigere mich, eine Ware zu sein»

Eduardo Galeano, 1940 in Montevideo, Uruguay, geboren, gilt als einer der bekanntesten politische Essayist Lateinamerikas. Weltberühmt wurde er mit seinem 1971 erschienenen Buch «Die offenen Adern Lateinamerikas», einer engagierten Analyse der Ausbeutung und Unterdrückung Lateinamerikas durch Kolonialismus und Neokolonialismus von der Eroberung des Subkontinents durch die Spanier bis zur konterrevolutionären Politik der USA in den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts. Das Buch trug zur Politisierung einer ganzen Generation bei, noch heute wird es als Standardwerk betrachtet.

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Die Nationale Vermittlungskommission Conai wurde 1994 von Bischof Samuel Ruiz aus San Cristobal ins Leben gerufen, um die Verhandlungen zwischen Regierung und EZLN zu begleiten

Wie kann der mexikanische Innenminister Emilio Chauyffet weiter darauf beharren, es handele sich bei dem Massaker von Acteal um das Ergebnis von "interkommunitären" Konflikten? Schließlich besteht kaum mehr ein Zweifel daran, daß Mitglieder der Regierungspartei PRI in den Überfall paramilitärischer Gruppen involviert waren.

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Anhänger der mexikanischen Regierungspartei masskrieren 45 Tzozil-Indianer im Hochland bei San Cristóbal de las Casas

Blutige Weihnachten in Chiapas

Plötzlich kommt ein Lastwagen mit etwa 40 Männern, begleitet von einem Polizeifahrzeug, entgegen. Die Überlebenden aus Acteal erkennen mehr als ein Dutzend der Mörder ihrer Angehörigen wieder. Sie blockieren die Straße und versuchen, die Männer vom Lastwagen zu zerren. Um einen Aufruhr zu verhindern, greift die Seguridad Publica ein und rettet die Verdächtigen vor der aufgebrachten Menge ins Polizeifahrzeug.

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„Der Krieg wird in den höchsten Sphären der Regierung geplant“

Die nationale Vermittlungskommission Conai wurde 1994 von Bischof Samuel Ruiz aus San Cristóbal ins Leben gerufen, um die Verhandlungen zwischen Regierung und EZLN zu begleiten. Durch ihre Arbeit konnte bisher auch in äußerst zugespitzten Situationen die Perspektive auf Dialogverhandlungen aufrechterhalten werden. In den letzten Monaten ist Bischof Ruiz das Ziel einer Kampagne von Regierungsinstitutionen und Militär, die ihn als Mitglied der EZLN bezeichen, und die im November ein Attentat gegen ihn organisiert haben.

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Massaker in Chiapas

Sie stehen sich direkt gegenüber, keine zwei Meter voneinander entfernt: Die Trauergemeinde mit den drei Gitarristen am Straßenrand, die triste Melodien mit kämpferischem Inhalt singen - über den Aufstand der EZLN 1994, über Kampfflugzeuge und Maschinenpistolen, die sie aufhalten wollen. Und der Lastwagen der "Seguridad Publica", der chiapanekischen Polizei, auf dem rund vierzig Uniformierte genau jene Maschinenpistolen im Anschlag halten. Sie haben den Tzotzil-Indianern des Bezirks Chenalho ihre Toten zurückgebracht - jene 45 Frauen, Kinder und Männer, die am 22.

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Das Motto "Land und Freiheit", wie von Emilio Zapata gefordert, hatte in Chiapas nach der mexikanischen

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Wir sind mehr als Geld

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