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Azzellini, Dario, Venezuela Bolivariana. Revolution des 21. Jahrhunderts? 2. durchgesehene, überarbeitete, erweiterte und aktualisierte Aufl ., Neuer ISP-Verlag, Köln 2007, (327 S., br., 19,90 €) Holm, Andrej (Hg.), Revolution als Prozess. Selbstorganisierung und Partizipation in Venezuela, VSA, Hamburg 2007 (169 S., br., 14,90 €) Twickel, Cristoph, Hugo Chávez. Eine Biografi e. 3. aktualisierte Aufl ., Edition Nautilus, Hamburg 2007 (352 S., br., 19,90 €) Über den so genannten bolivarianischen Prozess in Venezuela kursieren viele Mythen und Vorurteile. Durch die Fokussierung und Beschränkung der meisten Analysen auf Staatspräsident Hugo Chávez gelangen viele Autoren schnell zu dem Schluss, sein Projekt sei undemokratisch, autoritär, staatszentriert oder auch reformistisch. Eine seriöse Beschäftigung zeigt jedoch schnell: Die in Venezuela stattfi ndenden Veränderungen sind wesentlich komplexer als zumeist dargestellt und die Unübersichtlichkeit von politischen und basisdemokratischen Organisationsformen machen es nicht gerade leicht, den politischen Prozess im Land zu verstehen. Zuletzt sind in Deutschland einige Bücher erschienen, die sich dieser Komplexität aus kritisch-solidarischer Perspektive annähern. Auffällig ist dabei der enge Kontakt der Verf. zu Basisgruppen des bolivarianischen Prozesses, deren Sichtweise im Mittelpunkt steht. So betrachtet, handelt es sich nicht um ein von oben diktiertes Projekt, sondern um einen konfl iktreichen Prozess, in dem Basisgruppen und Politfunktionäre jeweils um Einfl uss ringen und Chávez selbst bisher meist die Positionen der Basis unterstützte. In Andrej Holms Sammelband beschäftigen sich die Mitglieder der Gruppe MovimentoR mit zentralen Aspekten des bolivarianischen Venezuelas. Wie die Stadtpolitik in Caracas durch partizipative Elemente umgestaltet wird, beschreiben Holm und Matthias Bernt. Anhand der zwei Beispiele städtische Landreform und Kommunale Räte wird aufgezeigt, dass sich die Planungsmacht in der ›Stadt der Barrios‹ verschiebt. »Die Tragweite der aktuellen Veränderungen ist immens, denn sie zielen nicht nur auf ein ›Mehr‹ an Mitbestimmung [...], sondern sie streben ein völlig neues System der Stadtentwicklung an« (20). Stadtteilausschüsse und -kommitees übernehmen zunehmend Verantwortung, ohne dass dies einen Gnadenakt von oben darstellen würde. Da dies Konfl ikte zwischen verschiedenen Entscheidungsebenen impliziere, werde es mit zunehmender Konsolidierung der Kommunalen Räte dringlicher, »Formen der Verschmelzung von administrativen-bürokratischen und baisisdemokratischen Entscheidungsmodi zu finden« (35f). Holm und Bernt halten die in Caracas beobachteten stadtplanerischen Ideen aber »für einen neuen Ansatz, der nicht nur in Venezuela eine Demokratisierung der Stadtentwicklung einleitet, sondern auch für uns einige Denkanstöße bereithält« (37). Darüber hinaus enthält das trotz seiner Kürze tiefschürfende Buch erkenntnisreiche Beiträge über solidarische Ökonomie, Bildung und Gesundheit, Medienpolitik, die venezolanische Linke, den Bolívar-Kult und die Wirtschaftspolitik. Einen ganz anderen Zugang bietet die bereits 2006 erschienene und mittlerweile in der dritten Aufl age vorliegende Chávez-Biografie des Journalisten Twickel. Hier werden die für die politische Entwicklung des Präsidenten wichtigen Ereignisse spannend erzählt. Sprachlich brilliant verbindet Verf. Anekdoten mit kenntnisreichen politischen Analysen. Nicht der comandante selbst, sondern die sozialen und gesellschaftlichen Prozesse der jüngeren venezolanischen Geschichte sind dabei die eigentlichen Protagonisten. Chávez´ Werdegang wird fast nebenbei erzählt. Dabei widmet das Buch sich insbesondere seinem politischen Leben, das von seinem privaten schon früh kaum noch zu unterscheiden war. So beginnt es mit dem großen Scheitern des Militärs Chávez, das dieser rückblickend jedoch zum Grundstein seines späteren Wahlerfolges machte. Nach einem dilettantisch durchgeführten Umsturzversuch gegen Carlos Andrés Pérez 1992, der drei Jahre zuvor den als Caracazo bekannten, antineoliberalen Aufstand niederschlagen ließ, durfte Chávez eine kurze Fernsehrede halten. Er forderte seine Mitstreiter auf, die Waffen niederzulegen, übernahm die Verantwortung für das Scheitern und sagte, die Ziele seien »vorläufig« nicht erreicht worden. »Eine Fernsehminute sollte dem bis dato unbekannten Fallschirmspringer genügen, um die gescheiterte militärische Erhebung in einen Mediensieg zu verwandeln« (17). Die drei fundierten Bücher grenzen sich von den gängigen Klischees ab und stellen nicht nur den Präsidenten in den Mittelpunkt. Freilich sind vor allem die Bücher von Azzellini und Holm angesichts der rasanten Entwicklung notwendigerweise Momentaufnahmen. So fehlen Analysen des verlorenen Verfassungsreferendums vom Dezember 2007 und der von Chávez forcierten Gründung der Vereinigten Sozialistischen Partei PSUV Anfang 2008. In beiden Fällen traten Differenzen zwischen Basis und Funktionären deutlich zutage. |
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