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Die Herausgeber wollen über die „Neuen Kriege“ informieren
und zur Diskussion anregen, nicht zuletzt innerhalb der Antikriegsbewegung.
Da die Grenzen zwischen Krieg und Frieden immer mehr verwischten, seien
„komplexere Antworten (...) als die Forderung nach dem Ende von
Bombardierungen“ erforderlich: „Es geht vielmehr um die Kritik
einer Neuen Kriegsordnung, die ein Ausdruck gegenwärtiger Entwicklungstendenzen
des Kapitalismus ist.“ Die Struktur der PMCs ist netzwerkartig, Subunternehmen arbeiten zusammen
mit lokalen Eliten und transnationalen Konzernen: „Kriegswirtschaften
sind keine lokal isolierten Phänomene, sondern eng in die Waren-
und Kapitalströme der Weltwirtschaft integriert.“ Berührungsängste
zu Kriegsverbrechern und Warlords gibt es nicht. Drei der zwölf Analysen widmen sich lateinamerikanischen Ländern. In dem Text zu Kolumbien schildert Dario Azzellini, wie das ressourcenreiche Land zu einem Versuchslabor für privatisierte Kriegführung geworden ist. In dem Kapitel über Chiapas analysiert Azzellini die paramilitärische Durchdringung des mexicanischen Bundesstaates. Der These von „ethnischen Konflikten“ zwischen indigenen Gemeinden wird dankenswerterweise eine Absage erteilt. Aufschlussreich ist die Erwähnung des „Chiapas 2000“ Plans, in dem die Aufstandsbekämpfungsstrategie der Regierung Fox gegen die EZLN dargestellt wird. Der Beitrag zu Guatemala behandelt geschlechtsspezifische Gewalt während des jahrzehntelangen bewaffneten Konflikts: „Wie in vielen Konfliktgebieten wurden die Frauen als ‚Kriegsbeute', aber auch als ‚Köder' betrachtet. (...) Sie zu vergewaltigen war eine Form sie zu besiegen, ihren Willen zu brechen und sie zur ‚Verräterin' an ihrem ermordeten, entführten oder verfolgten Mann zu machen.“ So bringt die Autorin Matilde Gonzales einen Jahrtausende alten Kriegsmechanismus auf den Punkt. Andere Fallstudien behandeln Krieg und Kriegsökonomie in der Türkei, der Demokratischen Republik Kongo, im ehemaligen Jugoslawien, in Angola, Afghanistan und Indonesien. Die Lektüre ist auf jeden Fall aufschlussreich, da mag auch das bei einzelnen Kapiteln etwas schlampige Lektorat verziehen werden. Bisweilen schleichen sich angesichts der geballten Faktenflut über die Gewaltökonomien Ohnmachtsgefühle ein. Schließlich entwirft auch das Resümee von Boris Kanzleiter düstere Aussichten: „So präsentiert sich ein Panorama künftiger Konflikte, in dem in den von neoliberaler Globalisierung und Krieg verwüsteten Ruinen der ‚schwachen Staaten' Rumpfregierungen mit regulären Streitkräften und der Unterstützung von PMCs gegen Akteure privater Gewalt wie Warlords kämpfen, die ihrerseits von PMCs unterstützt werden. Das Peacekeeping zur Eindämmung der Destabilisierung, die unerwünschte Flüchtlingsbewegungen in Gang setzt (...), wird ebenfalls zunehmend von PMCs übernommen (...).“ Immerhin wird in dem Beitrag von Thomas Seibert die Richtung angedeutet, an der sich Kritik und praktischer Widerstand orientieren sollten: „Den sozialen Bewegungen und politischen Linken in den Triadenstaaten ist deshalb die Aufgabe gestellt, den nicht zuletzt vom Diskurs der ‚neuen Kriege' gefestigten metropolenrassistischen Konsens zu sprengen, nach dem ausgerechnet der globale Norden für die Durchsetzung von Demokratie, Menschenrecht und Zivilität zu sorgen habe.“ Dario Azzellini und Boris Kanzleiter, Das Unternehmen Krieg. Paramilitärs,
Warlords und Privatarmeen als Akteure der Neuen Kriegsordnung, Assoziation
A, Berlin 2003, 216 S., 14,00 Euro
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